
Der Diplomingenieur für Umwelttechnik und regenerative Energien mit Schwerpunkt Photovoltaik saß eines Tages auf seinem Balkon in der Sonne und fragte sich: Wieso darf ich hier eigentlich keine Photovoltaikanlage betreiben? In der Folge hat Marcus Vietzke als Koordinator der Arbeitsgruppe PVplug in der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie an regulatorischen Änderungen für Solaranlagen in Stadtwohnungen gearbeitet. Das kommt jetzt seinem Unternehmen Indielux zugute, aber auch allen Mitbewerbern und den Verbrauchern. Nicht weniger als eine dezentrale regenerative Energiewende hatte sich die PVplug bei der Gründung 2016 vorgenommen. Der gebürtige Berliner Vietzke vernetzte Unternehmen, Experten und Interessierte unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie, um Änderungen an den entscheidenden Normen zu erreichen. Mit Erfolg: Für die Neuformulierung der DIN VDE 0100-551, die seit Oktober 2017 offiziell den Anschluss von „Mini-Modulen“ an Steckdosenstromkreise zulässt, erhielt die Arbeitsgruppe 2018 den renommierten Georg-Salvamoser-Preis. Vor der Änderung mussten Sonnenenergieanlagen stets von einem Elektriker separat an den Sicherungskasten angeschlossen werden. Plug-in-Lösungen, die man direkt an die Steckdose anschließt, standen im Konflikt mit den elektrotechnischen Normen. Die alte Regulierung basierte aber auf Annahmen, die gegenwärtig nicht mehr gelten. Dem passionierten Bastler Vietzke, der in seiner Freizeit die Fahrräder seiner Familie zu Pedelecs umrüstet, war klar, dass eine technische Lösung absolut machbar sein würde.
Tagesspiegel Background Briefing, 5. Oktober 2018