
Bisher verkauften Vertreiber ungesteuerte Speicher über der Grenze als „Plug & Play“. Doch nun ist klar: Ohne Überlastungsschutz oder Wieland-Spezialsteckdose ist der Betrieb und Verkauf illegal und gefährlich. Bei Zuwiderhandlung droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder eine Ordnungshaft von bis zu 6 Monaten. Die Gerichte stufen den Vertrieb solcher Geräte als Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb in Verbindung mit § 3 des Produktsicherheitsgesetzes ein. Daher sind die VDE-Sicherheitsnormen nun verbindliches Marktrecht. Hintergrund der strikten Urteile ist ein konkretes Brandschutzrisiko in der Hausinstallation. Neben einem reinen Vertriebsverbot untersagen die Beschlüsse der Landgerichte auch irreführende Werbeaussagen, wenn die angebotenen Systeme die Grenzwerte der Produktnorm überschreiten oder keinen Überlastungsschutz besitzen. Verboten sind wörtliche oder sinngemäße Aussagen wie: „Stromwächter – Überlastschutz für Stromleitungen“, „100% Plug & Play – kein Elektriker nötig“, „Einfache Installation: Plug & Play – Anschließen und direkt loslegen“, „Zertifiziert & gesetzeskonform nach VDE/IEC“. Da die Urteile auf wettbewerbsrechtlicher Basis ergangen sind, resultieren daraus keine direkten, automatischen Ansprüche für Endverbraucher. Die Urteile stärken die Position von Altkäufern jedoch enorm, denn ein Produkt, das gegen fundamentale Sicherheitsnormen verstößt und im Handel einem Vertriebsverbot unterliegt, weist einen Sachmangel auf. Ab 960 Wp sind eine Wieland-Steckdose oder ein aktives Leitungsschutzsystem wie ready2plugin Pflicht. Für Händler und Hersteller bietet sich somit die Möglichkeit, bereits verkaufte oder blockierte Speichersysteme über ein entsprechendes Software-Update oder externe Steuerungskomponenten normkonform nachzurüsten. Mit dem Inkrafttreten der Produktnorm im Dezember 2025 ist der „normative Dreiklang“ für Steckersolargeräte in Deutschland komplett. Diese Struktur ist das Ergebnis einer zehnjährigen Entwicklungsarbeit, die 2016 mit der Gründung der DGS-Arbeitsgruppe PVplug unter der Koordination von Marcus Vietzke (heute Geschäftsführer der indielux GmbH) begann. Die Gruppe initiierte 2017 die umfassendste deutsche Sicherheitsuntersuchung für Stecksolargeräte. Die aktuellen Gerichtsbeschlüsse spiegeln nun wider, dass die damals definierten Sicherheitskriterien endgültig die Stufe der rechtlich bindenden Marktregulierungen erreicht haben.
Energyload – Das Magazin zur Energie- und Mobilitätswende, 18. Juni 2026