Wenn Elektrogeräte seltener Brände verursachen, die Anzahl elektrischer Brände insgesamt aber gleich bleibt, kann das nur bedeuten, dass die elektrische Verteilung häufiger für Brände sorgt. So kann man es in der IFS-Statistik sehen. UV-Licht spielt bei Verteilungsleitungen keine Rolle in der Alterung. Die PVC-Mischung der Mäntel ist typischerweise ausgelegt auf 20 Jahre bei 70 °C, weil das verlegte PVC primär durch Wärme chemisch altert. Eine gut geplante Leitung wird selten überhaupt 70 °C warm, sodass 50 (oder gar 100) Jahre Funktion durchaus möglich sind. Problematisch wird es, wenn die Wärme steigt. Der Alterungsprozess verläuft nämlich nichtlinear. Ein statistischer Mittelwert von 20 Jahren Haltbarkeit bei 70 °C schrumpft bei 99 °C zu einem Jahr zusammen. Bei 143 °C sind es nur noch ein paar Tage. Bedeutet: Selbst kurzfristige Überlastungen können die Mäntel im Zeitraffer aushärten lassen. Wenn dann durch die offensichtlich vorhandene Wärme noch Bewegung dazukommt, kann der Mantel abbröseln und der Kurzschluss ist nicht weit. Bei der Auslegung der Hauselektrik vor durchschnittlich rund 60 Jahren rechneten die Erbauer noch nicht damit, dass Sie heute eine Serverfarm, ein Balkonkraftwerk und ein Elektroauto am selben Strang anstecken. Moderne Dauerstromzieher (oder -schieber) können selbst großzügig dimensionierte Sicherungskreise stärker erwärmen als früher gedacht. Steckersolargeräte sind super. Man muss nur wissen, warum ausgerechnet 800 W bei 960 Wp ohne weitere Maßnahmen per Schuko erlaubt sind und welche Regeln gelten. Wirklich einfach verständlich ist es nicht: Selbst die Hersteller und Händler vertun sich ständig. 800 VA bei 230 V mittlerer Spannung ergeben nach Adam Riese rund 3,5 A Stromstärke. Diese 3,5 A können zusätzlich auf einem Leiter anstehen, ohne dass sie über den schützenden LS-Schalter laufen. Marcus Vietzke arbeitet das in seiner Analyse der Schutzlücke heraus. Er warnt davor, die Normen einfach zu ignorieren. Marcus Vietzke ist Geschäftsführer von Indielux, einer Firma, die ein Gerät erfunden hat, das die 800-Watt-Begrenzung am Netzübergangspunkt dynamisch regelt. Der Stromwächter überwacht die Leiter und regelt den Wechselrichter ab, bevor die Temperatur unzulässig steigt. Damit sind dann auch höhere Generatorleistungen möglich.

heise online, 30. Juni 2026

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Kategorien: Pressespiegel